Lieber Einzelhandel,

Sue hatte es mit ihrem Tweet schon ganz gut gesagt:

Und ja, das möchte ich unterschreiben. Das erste Mal aufgefallen ist es mir schon vor Jahren. Ich wollte eine zweite Rührschüssel zu meiner Küchenmaschine. Da ich diese sehr zeitnah haben wollte, habe ich nicht bei amazon bestellt, sondern bin in die Stadt gefahren, in ein Geschäft, dass diese Küchenmaschine führte. Leider war dieser Ausflug vollkommen unnötig. Denn als ich die Verkäuferin darauf ansprach, was ich gerne kaufen würde, war die erste Antwort von ihr, dass es das nicht geben würde, das könnte man nicht kaufen. Ich war leicht irritiert, schließlich schien amazon mir das ja problemlos liefern zu können. Naja, als ich das erwähnte, sagte sie, dass ich das dann ja auch im Internet kaufen könne. Gesagt, getan. Und alles weitere Extrazubehör habe ich auch im Internet erworben. Unfreundlichem und wenig hilfreichem oder gleich Kund*innen ignorierendes Verkaufspersonal begegnet man leider immer wieder. Oh, und ganz schlimm ist auch bewertendes Verkaufspersonal (was mir auch schon passiert ist, bevorzugt beim Bücherkauf. Äh ja.)

Im Moment habe ich hier relativ viel Glück mit dem Einzelhandel. Es gibt eine vernünftige Drogerie, mehrere gute Apotheken, es gibt mehrere Lebensmittelläden mit relativ viel Auswahl – allerdings überlege ich trotzdem, ob das mit dem Lebensmittel bestellen nicht doch eine Alternative wäre. Dafür spräche, dass ich mich nicht mehr darüber ärgern müsste, dass zwischen 18:30 und 19:00 die Gemüseabteilung schon einmal verstaut wird (und es offensichtlich ein riesiger Aufwand ist, wenn man dann doch noch etwas haben möchte) – und wenn man bis zur Fleischtheke vorgedrungen ist, haben sie hoffentlich das dort liegen, was man möchte. Denn auch hier ist, je nach Bedienung, es ein quasi nicht zu vertretender Aufwand, zu schauen, ob es das vielleicht noch im Kühlraum gibt.
Etwas ernüchternd war, als ich Fisch kaufen wollte – auch dafür gibt es hier einen kleinen Laden. In dem war ich exakt einmal und nie wieder. Der Fisch, den ich wollte, gab es nicht – gut, kommt vor. Allerdings dachte ich, wenn ich in einen Laden gehe, der nur Fische verkauft, wird es vielleicht etwas mehr Beratung geben als an der Supermarkt-Fischtheke. Nein, denn auf meine Frage, ob sie einen Fisch kennen würde, den ich stattdessen nehmen könnte, kam ein unfreundliches „Nein, keine Ahnung.“ Tja, seitdem kaufe ich entweder an der Supermarkt-Fischtheke oder im Großmarkt (was den großen Vorteil hat, dass ich dort bisher immer nettem und kompetentem Personal begegnet bin).

Aber es gibt auch Einzelhandel, der es (für mich) richtig macht. Enorm praktisch finde ich Unternehmen, die anbieten, direkt in ihre Filiale liefern zu lassen, versandkostenfrei. Dann kann ich sicher sein, dass ich das, was ich suche, dort finde – und es im Fall von Kleidung direkt anprobieren. Und das Geschäft hat den Vorteil, dass mir vielleicht doch noch etwas anderes ins Auge fällt, wo ich schon einmal da bin. Immerhin zwei Unternehmen, bei denen ich regelmäßig kaufe, bieten genau das an, was für mich ein Grund ist, exakt da zu kaufen. Vor allem auch, wenn es so simpel ist, wie beim Kaffeeröster, der auch in den Filialen die Möglichkeit bietet, direkt von da aus online zu bestellen, wenn etwas nicht im Regal sein sollte.
Auch schön finde ich, wenn Unternehmen mit mehreren Filialen von sich aus anbieten, den gewünschten Artikel aus einer anderen Filiale liefern zu lassen, sollte er in der aufgesuchten nicht vorhanden sein. Bieten auch nicht alle an, ist aber enorm komfortabel.

Also, das Internet muss nicht der Tod des Einzelhandels sein, beide Vertriebswege können sich ergänzen – aber das Unternehmen muss es wollen. Und sich nicht auf „Das Internet macht uns kaputt“ versteifen, dann wäre schon viel gewonnen.